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Digital Einfacher lernen

Warum die Schweizer Schule in der aktuellen PISA-Studie so schlecht abschneidet?

Die jüngste PISA-Studie zeigt erneut besorgniserregende Ergebnisse für die Schweizer Schule. In zwei von drei getesteten Disziplinen schnitten die Schüler schlechter ab als in der vorherigen Durchführung. Besonders alarmierend ist die Feststellung, dass jeder vierte Schulabsolvent in der Schweiz nach neun Schuljahren nicht in der Lage ist, richtig und verständig zu lesen.

Die Ergebnisse verdeutlichen eine negative Entwicklung in der schulischen Leistungsfähigkeit der Schweizer Schüler, wie sie bereits in vorherigen PISA-Studien angedeutet wurde. In Bezug auf die Lesekompetenz, einer grundlegenden Fähigkeit für Bildungserfolg, besteht dringender Handlungsbedarf. Die Tatsache, dass ein erheblicher Anteil der Schulabsolventen Schwierigkeiten beim Lesen hat, unterstreicht mögliche Herausforderungen im Bildungssystem.

Die Veränderungen in den PISA-Ergebnissen sollten als Anlass genommen werden, um gezielte Massnahmen zur Verbesserung der Lesefähigkeiten und allgemeinen schulischen Leistungen zu ergreifen. Ein vertieftes Verständnis der Gründe für die schlechten Resultate ist entscheidend, um zielführende Reformen in der Bildungspolitik einzuleiten. Es besteht die Notwendigkeit, Ressourcen und Lehrmethoden zu überdenken, um sicherzustellen, dass die Schüler die erforderlichen Fähigkeiten entwickeln, insbesondere im Bereich des Lesens, der als zentral für den Bildungserfolg gilt.

Lesekompetenz im digitalen Zeitalter

Bei Forschern und Expertinnen steht die Frage im Mittelpunkt, inwieweit digitale Medien das traditionelle Buch beim Lesenlernen ersetzen dürfen. Experten wie der Neurowissenschaftler Manfred Spitzer betonen die Wertigkeit des Buches, da beim Lesen davon mehr haften bleibt und ein höherer Anspruch bestehe. Er warnt vor den Risiken des digitalen Lesens, bei dem jeder Unfug über den Bildschirm flimmern könne.

Die Lesekompetenz von Kindern in Deutschland wird kritisch betrachtet, wobei jedes fünfte Grundschulkind laut Stiftung Lesen Schwierigkeiten beim Lesen hat. Die Digitalisierung beeinflusst das Leseverhalten, insbesondere bei längeren Texten auf mobilen Geräten. Die Psychologin Katharina Scheiter vom Leibniz-Institut für Wissensmedien hebt hervor, dass digitale Medien die individuelle Förderung ermöglichen, jedoch betont sie die Notwendigkeit einer angeleiteten Nutzung.

Die Hirnforschung von Peter Gerjets verdeutlicht, dass digitales Lesen das Gehirn durch multimediale Elemente stärker beansprucht. Dabei wird betont, dass längeres Lesen am Bildschirm nicht so effektiv sei wie das Lesen eines Buches. Gerjets warnt vor dem oberflächlichen Lesen im Internet, wodurch Ressourcen für tiefgehendes Lesen verschwendet werden.

Der Universitätsprofessor Gerhard Lauer betont im Interview, dass die Gewohnheit und das Buch selbst die Art des Lesens beeinflussen. Bei Sachtexten sei die Gefahr des oberflächlichen Lesens im Digitalen besonders präsent.

Die Diskussion um die Generation der “Digital Natives” wirft die Frage auf, ob sie Vorteile durch ihre digitale Aufwachsens haben. Lauer hebt hervor, dass dies nur der Fall ist, wenn digitales Lesen korrekt erlernt wurde. Die Bildung spielt eine entscheidende Rolle, und privilegierte Kinder, die umfangreiches und analoges Lesen und Schreiben erlernen, haben Vorteile gegenüber anderen.

Lehrpersonen und Erzieher werden aufgefordert, sich weiterhin mit vertieftem Lesen auseinanderzusetzen und den Einsatz verschiedener Medien situationsgerecht zu lehren. Es wird betont, dass die Wahl des Mediums entscheidend ist und weiterhin ein Fokus auf dem traditionellen, vertieften Lesen liegen sollte.

www.learn2learn.info

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